Erich Rachor (Klarinette & Saxophon)

Nach dem Abitur an der Berufsoberschule in Aschaffenburg, studierte ich vier Semester Betriebswirtschaft. Danach studierte ich Musik am Konservatorium in Frankfurt und an der Universität in Mainz, Hauptfach Klarinette und Saxophon. 1988 wurde ich Musiklehrer an der Städt. Musikschule in Erlenbach, deren Leitung ich 1999 übernommen habe.

1990 gründete ich die Big Band der Städt. Musikschule. Für sie organisierte ich Workshops mit Michael Köhler, Manfred Honetschläger, Jörg-Achim Keller (beide HR-Big Band) oder Peter Herbolzheimer. Konzertierte mit Künstlern wie Ron Williams, Silvia Droste, Ernst Hutter, Hugo Strasser und Tony Lakatos. In Workshops mit Dozenten wie Peter Herbolzheimer, Jacob de Haan oder Arrangementlehre bei Ingo Louis und Manfred Honetschläger forcierten auch meinen künstlerischen Werdegang.
Eine große Herausforderung für mich ist, neben der in der heutigen Zeit sehr interessanten Entwicklung im Musikschulbereich, ja im kulturellen Bereich überhaupt, die musikalische Weiterbildung meiner Orchester, die Vereinsarbeit der Zukunft und der Umgang mit Menschen.


Immer mehr Menschen versuchen, ihren eigenen individuellen Weg zu finden. Sie sind entweder beruflich stark eingebunden oder wollen sich nicht mehr über Jahre in einem Verein festlegen. Um mit diesen Veränderungen überleben zu können, sind die Vereine in Zukunft angehalten, zum einen ihre Struktur zu verändern bzw. sie zu öffnen.
 
Diese Umstellung und die damit verbundene Einstellung der Verantwortlichen in den Vereinen ist eine große Herausforderung für mich. Viel Innovation und Experimente investiere ich. Zum anderen müssen die Vereine ihre Stärke in der Gesellschaft erkennen und politisch formulieren. Sie sind nach der Familie die wichtigste soziale Gemeinschaft. Ihnen obliegt die Pflege des sozialen Erbes ebenso, wie der Erhalt der musischen Kultur.

Es gibt daher für mich zwei wichtige pädagogische Ziele, die ein Musikverein der Zukunft erkennen und umsetzen sollte.
Der eine Punkt ist die Weitergabe unseres sozialen Erbes.

Die Vereine sind einer der Instanzen, welche die anhaltende Individualisierung (wir werden immer mehr eine Gesellschaft von Solisten) mit in eine funktionierende Gemeinschaft zurückführen können. Deshalb ist es wichtig traditionelle Werte wie Ehrlichkeit, Akzeptanz des Mitmenschen, Geborgenheit, Disziplin und vor allem Selbstverantwortlichkeit bewusst in das Vereinsleben einfließen zu lassen und dem Nachwuchs vorzuleben.

Der zweite Punkt ist die Weitergabe unseres musischen und musikalischen Erbes. Die Vermittlung von Musik und ihre Auswirkung auf die Musizierenden, geht sehr über den wichtigen Aspekt „Freude an der Musik zu haben“ hinaus.
Musik ist Zweckfrei, sie dient nicht der Berufsausbildung, wie der Unterricht in den Regelschulen. Musik vermittelt außerhalb der Regelschule kulturelle Bildung. Sie schult die Ästhetik und fördert die Sinnbildung und sie wirkt bis in den psychischen Bereich. Wenn Kinder selbst musizieren und nicht konsumieren, erleben sie selbst was kreativ ist.
Die Folge davon, es wird ein Fundament gelegt für Selbstverantwortlichkeit. 

Musik verbessert die Teamfähigkeit und die Disziplin, die Intelligenz wird wacher gemacht und somit sind Kinder aufnahmefähiger. Musik fördert daher das Wahrnehmen der Vielfalt unserer Welt. 
 
Die genannten Punkte sind wissenschaftlich belegt, durch unabhängige Studien von Prof. Bastian in Berlin oder die Untersuchungen, auch über Jahre hinweg in Friebourgh, Schweiz. Dabei haben die Musikvereine einen großen Vorteil, die genannten Punkte in Zukunft umzusetzen. Sie haben die Sprache der Musik! Mit ihr kann die Ausführung besser bewerkstelligt werden, denn Musik verbindet und trägt zu einem besseren Verständnis der Menschen untereinander bei.

Können die Verantwortlichen in den Musikvereinen dieses Gut nutzen, braucht ihnen vor der Umsetzung der Ziele nicht Bange zu sein, denn sie haben die Sprache der Musik.